Die Trauerfeierlichkeiten begannen mit einem Trauergottesdienst im Berliner Dom. Die Predigt hielt Wolfgang Huber, früherer Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD).
Nach dem kirchlichen Teil des Staatsaktes im Berliner Dom begann das staatliche Zeremoniell mit einer Ansprache von Bundespräsident Steinmeier. Er würdigte Köhlers Einsatz für das Gemeinwohl, seine Bodenständigkeit und seine Überzeugungskraft. Horst Köhler war berührbar – aber er ließ sich nicht blenden. Es war immer der Mensch, sein lebendiger guter Kern, der ihn für sich einnehmen konnte
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Besonders erinnerte der Bundespräsident an Köhlers wegweisendes Engagement für Afrika: Partnerschaft mit Afrika – durch dieses Engagement ist Horst Köhler in weiten Teilen Afrikas zu einem nicht nur sehr geschätzten, sondern auch glaubwürdigen Vertreter Europas geworden. Und hier bei uns hat er den Blick auf Afrika entscheidend verändert. Afrika wurde auch durch sein Wirken "vom Objekt zum Subjekt geopolitischer Diskurse'.
Wir Deutsche trauern um Horst Köhler. Wir sind dankbar, dass er unter uns und für uns gewirkt hat. Wir vermissen ihn. Uns tröstet die Erinnerung, nicht zuletzt die an sein Lachen. Wir werden ihn nicht vergessen.
Horst Köhler gewann die Herzen vieler – durch sein Lachen, seinen Optimismus und sein unbefangenes Zugehen auf Menschen. Sein Vermächtnis bleibt: Wenn wir heute dankbar sind für Horst Köhler und seinen Dienst an unserem Land, dann erkennen wir damit auch eine Verpflichtung: dieses Land in seinem Sinne zu bewahren, zu gestalten und zu einem möglichst guten Lebensort für alle weiterzuentwickeln.
Weitere Redner waren der ehemalige Bundespräsident der Republik Österreich, Heinz Fischer, der ehemalige Präsident Kenias Uhuru Kenyatta, sowie der Bundesminister a. D., Theodor Waigel. Zum Abschluss des Staatsaktes fand das Militärische Abschiedszeremoniell vor dem Berliner Dom statt.
Staatsakte und Staatsbegräbnisse als Formen staatlichen Zeremoniells werden nur selten angeordnet. Sie sind Ausdruck höchster Würdigung durch die Bundesrepublik Deutschland einer Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, die sich hervorragend um das deutsche Volk verdient gemacht hat. In Anwesenheit der höchsten Repräsentanten der Verfassungsorgane des Bundes, von Hinterbliebenen, Weggefährten und Freunden sowie führenden Persönlichkeiten aus Politik, Religion, Wirtschaft und Kultur werden die Verdienste des Verstorbenen gewürdigt. An Staatsakten nehmen hochrangige geladene Gäste und Repräsentanten aus dem In- und Ausland teil.
"Traurig und dankbar"
Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nutzten bereits die Gelegenheit, sich in ein Kondolenzbuch einzutragen, das an den Amtssitzen des Bundespräsidenten in Berlin und Bonn ausgelegt war. Auch Bundespräsident Steinmeier, Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundespräsident a. D. Joachim Gauck drückten auf diese Weise ihre Anteilnahme aus.
Horst Köhler
Von Juli 2004 bis Mai 2010 war Horst Köhler der neunte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. In seiner Antrittsrede warb er für ein Verständnis von Deutschland als "Land der Ideen", das einig und selbstbewusst die eigene Zukunft gestalten und in der Welt als Kraft zum Guten wirken möge. Zu seinen zentralen innenpolitischen Themen gehörte die Beschäftigung mit der Frage, wie zukunftsfähige Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen und gesichert werden können. Außenpolitisch setzte sich Horst Köhler für eine faire, das Wohle aller Menschen im Blick habende, Globalisierung ein und warnte vor einem Finanzkapitalismus, der sich an keine Regeln gebunden weiß. Nicht müde wurde er, auf die Bedeutung und Potenziale des afrikanischen Kontinents für die globale Entwicklung hinzuweisen.

Bundespräsident a. D. Horst Köhler war am 1. Februar im Alter von 81 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie in Berlin verstorben.