Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am 14. November bei der zentralen Gedenkstunde zum Volkstrauertag im Plenarsaal des Deutschen Bundestages die Gedenkrede gehalten und das Totengedenken gesprochen.
Vor der Gedenkstunde im Bundestag nahm der Bundespräsident an der Kranzniederlegung zum Volkstrauertag in der Neuen Wache, der Zentralen Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Verfassungsorgane Bundestag, Bundesrat, Bundesregierung und Bundesverfassungsgericht teil.
In diesem Jahr widmete sich der Volkstrauertag besonders der Erinnerung an den Angriffs- und Vernichtungskrieg in Ost- und Südosteuropa, der vor 80 Jahren mit der Besetzung von Jugoslawien und Griechenland sowie mit dem Überfall auf die Sowjetunion begann. Im Anschluss an die Gedenkrede sprach der Bundespräsident im Deutschen Bundestag das Totengedenken.
Der vollständige Text des Totengedenkens lautet:
Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.
Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.
Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.
Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.
Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.
Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt Opfer geworden sind. Wir gedenken der Opfer von Terrorismus und Extremismus, Antisemitismus und Rassismus in unserem Land.
Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten, und teilen ihren Schmerz.
Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.
Bundespräsident Theodor Heuss führte das Sprechen des Totengedenkens durch den Bundespräsidenten 1952 ein. Seit den 1970er Jahren sprechen die Bundespräsidenten das Totengedenken in der Regel während der zentralen Gedenkstunde des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. zum Volkstrauertag. Er wurde in Deutschland 1919 eingeführt und wird seit 1952 zwei Wochen vor dem ersten Advent begangen. An diesem Tag wird in Deutschland halbmast geflaggt.
Das Totengedenken benennt die Opfergruppen, derer am Volkstrauertag gedacht wird: Die Opfer der Weltkriege und der NS-Gewaltherrschaft, aber auch gegenwärtiger Kriege und von Hass- und Gewalttaten in Deutschland. Im Laufe der Zeit wurde der Text mehrfach angepasst, zuletzt 2020. So gedenkt der Bundespräsident am Volkstrauertag auch der Opfer terroristischer, politischer, rassistischer und antisemitischer Anschläge und Morde, die in den vergangenen Jahren Teil einer bedrückenden Realität in Deutschland geworden sind.