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Karl Carstens (1979 - 1984)


Abbildung: Porträt Karl CarstensKarl Carstens wurde am 14. Dezember 1914 in Bremen geboren. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaften und politische Wissenschaften und promovierte zum Dr. jur. Wegen Bedürftigkeit hatte er 1937 einen Antrag auf staatliche Beihilfe gestellt, für den er seine "politische Zuverlässigkeit" durch einen Antrag auf Beitritt zur NSDAP beweisen musste. 1940 wurde Carstens Mitglied der NSDAP. Während des Zweiten Weltkriegs unterwies er als Ausbilder im Leutnantsrang Soldaten bei der Flakartillerie. 1945 machte er sich in Bremen als Anwalt selbständig und trat 1947 in eine Anwaltssozietät ein. Von 1949 bis 1954 war er Bevollmächtigter Bremens beim Bund in Bonn.

Von 1948 bis 1949 erwarb er an der Yale Universität in Connecticut einen Master of Law und habilitierte sich 1952 in Köln, wo er ab 1960 auch das Institut für das Recht der Europäischen Gemeinschaften leitete.

Durch seine Tätigkeit beim Bund wurde Carstens von Walter Hallstein für die Stellung als Ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland beim Europarat entdeckt. 1955 stellte ihn das Auswärtige Amt ein, in dem er schließlich Ständiger Stellvertreter des Außenministers wurde.

Abbildung: Karl Carstens mit Walter Scheel und Heinrich Lübke

 

 

 

 


Staatssekretär im Auswärtigen Amt Karl Carstens mit Außenminister Walter Scheel und Bundespräsident Heinrich Lübke 1964

1955 trat Carstens der CDU bei. Während der Großen Koalition wechselte er als Staatssekretär erst ins Verteidigungsministerium, dann zu Kurt-Georg Kiesinger ins Bundeskanzleramt. 1970 übernahm er die Leitung des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. 1972 erlangte er ein Bundestagsmandat und anschließend den Fraktionsvorsitz. 1976 wurde er Bundestagspräsident.

Abbildung: Karl Carstens am Rednerpult des Bundestages

 

 

 

 


 

Bundestagspräsident Karl Carstens 1976

 

Als die CDU ihn 1979 als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten aufstellte, warf die Presse ihm seine frühere nominelle NSDAP-Mitgliedschaft vor; auch ein Prozess gegen den stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Günther Metzger belastete den Kandidaten. Dennoch gewann Carstens die Wahl. Durch Objektivität und Volksnähe - bekannt sind seine Wanderungen durch die Bundesrepublik und die von ihm gestiftete Eichendorff-Plakette für Wandervereine - erwarb er das Vertrauen der Menschen.

Abbildung: Karl Carstens gibt einem Mann im Till-Eulenspiegel-Kostüm die Hand

 

 

 

 

 

Bundespräsident Karl Carstens bei einer Wanderung in Mölln 1979

 

1983 löste Carstens den Bundestag auf und ordnete Neuwahlen an - trotz erheblicher Bedenken, da die Vertrauensfrage von der CDU-FDP-Regierung aufgeworfen worden war, um den eigenen Bundeskanzler, der durch ein konstruktives Misstrauensvotum ins Amt gekommen war, durch Neuwahlen zu legitimieren.

Abbildung: Karl Carstens gibt Helmut Kohl die Hand

 

 

 

 

 

Karl Carstens mit dem designierten Bundeskanzler Helmut Kohl 1982 

 

1983 gab Carstens die Anthologie "Deutsche Gedichte" heraus, da die Pflege der deutschen Literatur und des Geschichtsbewusstseins, also der geistigen Einheit der Deutschen, für ihn eine Voraussetzung zur Überwindung der Teilung Deutschlands darstellte. Außenpolitisch räumte er den guten Beziehungen zu den USA eine Vorrangstellung ein.

Abbildung: Die Ehepaare Reagan und Carstens

 

 

 

 

 

US-Präsident Ronald Reagan und Nancy Reagan 1982 in der Villa Hammerschmidt mit dem Ehepaar Carstens

 

Nach dem Ende seiner Amtszeit 1984 hielt er sich mit politischen Äußerungen zurück, wurde aber Mitglied des Ältestenrats der CDU und nahm weiterhin an zahlreichen Veranstaltungen teil. Er war Träger des Aachener Karlspreises, Ehrensenator der Universität Bonn und mehrfacher Ehrendoktor. Karl Carstens starb am 30. Mai 1992 in Meckenheim.

Karl Carstens war evangelisch. Er war mit der Ärztin Dr. med. Veronica Carstens verheiratet.

Abbildung: Veronica und Karl Carstens

weitere Informationen

Porträt Karl Carstens
Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)